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Grenke steigert Konzerngewinn im zweiten Quartal 2021 um über ein Drittel

Der neue CEO, Michael Bücker, kündigt in einer Telefonkonferenz an, nach den Sonderprüfungen der vergangenen Monate nun erstmal "Ruhe in die Organisation" bringen zu wollen.

Michael Bücker | Foto: Grenke

Der Finanzierungsdienstleister Grenke hat den Konzerngewinn nach Steuern im zweiten Quartal 2021 auf 18,3 Mio. Euro (Q2 2020: 13,5 Mio. Euro) erhöht, wie das Unternehmen mitteilte. Das entspricht einer Steigerung zum Vorjahresquartal um 35 Prozent.

Grund dafür sei laut Mitteilung vor allem der gesunkene Aufwand für Schadensabwicklung und Risikovorsorge. Infolge des stabilen Zahlungsverhaltens der Kunden sank der entsprechende Posten um 40,3 Prozent auf 39,5 Mio. Euro (Q2 2020: 66,2 Mio. Euro). Die resultierende Schadenquote lag im Berichtszeitraum bei 1,8 Prozent. Im Vorjahresquartal war die Risikovorsorge aufgrund erwarteter Zahlungsausfälle durch die Corona-Pandemie erhöht worden.

Es geht weiter vorwärts, trotz der anhaltenden Corona-Pandemie.

Sebastian Hirsch, Finanzvorstand von Grenke

"Es geht weiter vorwärts, trotz der anhaltenden Corona-Pandemie", sagte Finanzvorstand Sebastian Hirsch während einer Telefonkonferenz zu den Q2-Zahlen. "Wir sind profitabel, auch in der Pandemie", fügte er hinzu.

Neuer CEO will aktiven Dialog mit Aufsichtsbehörden

Der neue Vorstandsvorsitzende von Grenke, Michael Bücker, sehe es als eine seiner wichtigsten Aufgaben an, das erforderliche hohe Niveau der internen Kontrollfunktionen und -prozesse sicherzustellen und "nachhaltig in der Unternehmenskultur im gesamten Grenke-Konzern zu verankern". "Diesen gebotenen Wandlungsprozess werden wir mit größtmöglicher Ernsthaftigkeit vorantreiben. Deshalb werde ich mich in den nächsten Wochen aktiv in den Dialog mit den Aufsichtsbehörden einbringen", kündigte er an.

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Bücker hat sein Amt zum 1. August angetreten. In der Telefonkonferenz stellte er sich als gebürtiger Westfale vor. Er habe drei erwachsene Söhne, sagte er - eine Gemeinsamkeit mit Firmengründer Wolfgang Grenke. "Das Leasinggeschäft habe ich von der Pike auf gelernt", führte er weiter aus. Auch das eint ihn und den ehemaligen Grenke-CEO bis 2018 und späteren stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden, der zur Hauptversammlung Ende Juli aus dem Aufsichtsrat ausgeschieden ist.

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Ich will erstmal Ruhe in die Organisation bringen. Die Mitarbeiter brauchen jetzt Sicherheit und Perspektive.

Michael Bücker, CEO, Grenke

"Ich muss mir erstmal ein Bild machen von Grenke und den Herausforderungen, vor denen wir stehen", erklärte Bücker. Daher wolle er sich zunächst die ersten 100 Tage Zeit nehmen, bevor er sich wieder in der Öffentlichkeit melde, kündigte er an. "Ich will erstmal Ruhe in die Organisation bringen. Die Mitarbeiter brauchen jetzt Sicherheit und Perspektive." Somit wolle er Grenke zu "alter Stärke" zurückführen.

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Cost-Income-Ratio noch oberhalb des Jahresziels

Mit 50,9 Prozent lag die Cost-Income-Ratio (CIR) im zweiten Quartal weiterhin leicht über dem für das Gesamtjahr 2021 angestrebten Wert von unter 50 Prozent. Dies sei im Wesentlichen auf außergewöhnliche Belastungen durch die Rechts-, Beratungs- und Prüfungskosten in Höhe von 2,4 Mio. Euro infolge der Sonderprüfungen zurückzuführen. Um diese außergewöhnlichen Belastungen bereinigt wurde im zweiten Quartal eine CIR von 49,1 Prozent erreicht, schreibt das Unternehmen in der Mitteilung.

DB2-Marge bei über 18 Prozent

Zum Stichtag 30. Juni betrug die Bilanzsumme des Grenke-Konzerns 6,8 Mrd. Euro (31. Dezember 2020: 7,3 Mrd. Euro). Die lang- und kurzfristigen Leasingforderungen, die den größten Bilanzposten ausmachen, nahmen zum Stichtag um 5,9 Prozent ab und betrugen 5,3 Mrd. Euro. Diese Entwicklung spiegele das niedrigere Neugeschäftsvolumen der vergangenen Quartale wider.

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Aufgrund der geringeren Bilanzsumme stieg die Eigenkapitalquote zum 30. Juni 2021 auf 17,8 Prozent (31. Dezember 2020: 16,3 Prozent) und liege damit noch deutlicher als zuvor über dem selbst gesteckten Ziel von mindestens 16 Prozent.

Zudem habe der Konzern den Deckungsbeitrag 2 (DB2) von 70,4 Mio. auf 72,1 Mio. Euro ausbauen können, sagte Hirsch in der Telefonkonferenz. Mit 18,1 Prozent sei die DB2-Marge auf einem "hohen Niveau", so Hirsch. Das sei dem klaren Fokus auf das profitable Small-ticket-Segment im Leasing geschuldet.

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