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BaFin nimmt deutsche Tochter von türkischer Ziraat Bank ins Visier

Einige Kredit-Transaktionen und die Bilanz des Instituts bereiten den deutschen Aufsehern Kopfschmerzen. Bei einer Pleite müsste erneut der Einlagensicherungsfonds der deutschen Privatbanken einspringen.

Filiale der Ziraat Bank in Ankara | Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Tunahan Turhan

Die Finanzaufsicht BaFin knöpft sich Insidern zufolge die deutsche Tochter der größten türkischen Bank Ziraat vor. Die Behörde sei besorgt über einige Kredit-Transaktionen und die Bilanz des Instituts, sagten drei mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Es gebe einige Kennzahlen, die nicht mit der Bilanz übereinpassten, sagte einer der Insider. Zudem habe die BaFin die Ernennung eines neuen Geschäftsführers in Deutschland abgelehnt, weil sie diesen als nicht geeignet für den Posten halte. Sowohl die BaFin als auch die Ziraat Bank lehnten einen Kommentar ab.

Handelsfinanzierung zwischen Deutschland und der Türkei

Ziraat Bank International AG ist eine 100-prozentige Tochter des staatlichen türkischen Geldhauses und hat den Hauptsitz in Frankfurt. In Berlin, Duisburg, Hamburg, Hannover, Köln und München betreibt die Bank Niederlassungen. Laut Angaben auf der Internetseite ist sie mit 110 Mitarbeitern für die Finanzierung des Handels zwischen der Türkei und Deutschland zuständig.

Ende 2019 erwirtschaftete die Bank laut Geschäftsbericht einen Gewinn von 18,8 Millionen Euro. Neuere Daten sind nicht verfügbar.

Die Aufsichtsbehörde in Deutschland fühle sich bei manchen Transaktionen von Ziraat unwohl, sagte ein türkischer Regierungsbeamter. Diese Themen würden derzeit mit der BaFin besprochen. Es sei zu erwarten, dass die Probleme gelöst würden und die BaFin keine Sanktionen erlasse

Sollte keine Lösung gefunden werden, habe die BaFin mehrere Optionen wie etwa ein Großkreditverbot oder die Entsendung eines Sonderbeauftragten zum Überprüfen der Geschäfte, sagte ein anderer Insider.

Belastetes Kreditportfolio

Im Geschäftsbericht 2019 erläutert das Ziraat-Management, dass die durch Corona ausgelösten wirtschaftlichen Probleme das Kreditportfolio belasteten, da Kreditnehmer finanziell unter Druck geraten könnten. Zudem heißt es darin, dass man seit einer Anpassung der Finanzierungsstrategie 2018 nicht mehr auf große Einlagen von institutionellen Kunden angewiesen sei sondern vermehrt "granulare Privatkundeneinlagen" eingesammelt habe.

Das Institut ist Mitglied im Einlagensicherungsfonds der deutschen Privatbanken, der im Frühjahr wegen der Insolvenz der Bremer Greensill Bank Milliardensummen an Kleinsparer auszahlen musste und nun von den privaten Instituten wie Deutsche Bank und Commerzbank wieder aufgefüllt werden muss. Der Bankenverband will sich nicht zu Einzelinstituten äußern.

Die Kundeneinlagen bei Ziraat Bank International AG beliefen sich Ende 2019 laut dem Geschäftsbericht auf insgesamt rund 917 Millionen Euro. Die Forderungen gegenüber den Kunden lagen bei 847 Millionen Euro. Der Überprüfung der Werthaltigkeit dieser Forderungen komme bei der Bilanzprüfung besondere Aufmerksamkeit zu, hieß es in einem Vermerk der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte. Ziraat erhielt von Deloitte 2019 ein uneingeschränktes Testat.

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