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EU-Kommission macht die grüne Anleihe zum "Goldstandard"

Die EU hat ihre überarbeitete Strategie für nachhaltige Finanzanlagen vorgelegt. Sie will damit einen neuen EU-Standard für grüne Anleihen schaffen.

EU-Finanzmarktkommissarin Mairead McGuinness | Foto: picture alliance / AA

Die EU-Kommission hat ihre drei Jahre alte Strategie für mehr nachhaltige Finanzanlagen überarbeitet. Sogenannte grüne Anleihen (Green Bonds) sollen zum "Goldstandard" werden, wie die Brüsseler Behörde am Dienstag mitteilte.

Das neue Standard für grüne Anleihen (EUGBS) wird jedem Emittenten von grünen Anleihen offen stehen, auch solchen, die nicht in der EU heimisch sind.

Zu den vier Hauptanforderungen des neuen Rahmenwerks gehört unter anderem die Vorgabe, dass die gesamte Finanzierung für Projekte verwendet werden muss, die der EU-Taxonomie entsprechen, zudem werden die Anleihen von externen Prüfern bewertet, die bei der Europäischen Wertpapiermarktaufsichtsbehörde registriert sind. Investoren sollen durch die neuen Regeln "echte" grüne Anleihen leichter von purem "Greenwashing" unterscheiden können.

Die für viele Beobachter aber entscheidende Frage, ob auch Gas und Atomenergie als nachhaltig eingestuft wird, wurde ausgeklammert.

"Goldstandard" setzt auf Freiwilligkeit

EU-Finanzmarktkommissarin Mairead McGuinness präsentierte für grüne Anleihen einen neuen Rahmen für Unternehmen und Regierungen, der allerdings nur freiwillig anzuwenden ist. Die Strategie sei ein "ehrgeiziger Fahrplan". "Es sind erhebliche Investitionen nötig, um die Wirtschaft grüner zu machen und eine integrativere Gesellschaft zu schaffen, damit jeder seinen Beitrag leisten kann. Wir müssen die globale Zusammenarbeit in Klima- und Umweltfragen verstärken, denn die EU kann den Klimawandel nicht alleine bekämpfen - globale Koordination und Maßnahmen sind unerlässlich."

Es sind erhebliche Investitionen nötig, um die Wirtschaft grüner zu machen und eine integrativere Gesellschaft zu schaffen, damit jeder seinen Beitrag leisten kann.

Mairead McGuinness, Kommissarin für Finanzdienstleistungen, Finanzstabilität und die Kapitalmarktunion

Der Vorschlag für einen EU-Standard für grüne Anleihen werde "einen Goldstandard auf dem Markt setzen und den Bedürfnissen der Anleger nach einem vertrauenswürdigen, robusten Instrument für nachhaltige Investitionen entsprechen."

Wachsender Markt

Die vorgestellte Strategie umfasst sechs Maßnahmenpakete zu denen neben den neuen Regeln für nachhaltige Finanzierungen auch Vorgaben für den Beitrag des Finanzsektors zum Thema Nachhaltigkeit, sowie das Vornatreiben internationaler Standards für nachhaltige Finanzen gehören.

Der Markt für diese Bonds ist zuletzt rasant gewachsen, allerdings gemessen am Bestand aller Anleihen noch immer klein. Grüne Anleihen sollen helfen, Europa als ersten Kontinent bis 2050 klimaneutral zu machen. Bis Mitte 2023 sollen die EU-Länder zunächst darlegen, wie ihre Kapitalmärkte aufgestellt sind - und ob sie einen Beitrag leisten, Klimaneutralität zu erreichen.

Es sind erhebliche Investitionen nötig, um die Wirtschaft grüner zu machen und eine integrativere Gesellschaft zu schaffen, damit jeder seinen Beitrag leisten kann.

Mairead McGuinness, Kommissarin für Finanzdienstleistungen, Finanzstabilität und die Kapitalmarktunion

"Seit dem Aktionsplan vor drei Jahren wurde viel erreicht", sagte der finanzpolitische Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament, Sven Giegold. Es sei ein wichtiger Schritt, dass Banken, Versicherer und Rating-Agenturen sogenannte ESG-Risiken (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) nun verbindlich einbeziehen müssten. Das werde für sie zusätzliche Stresstests bedeuten. Den Standard für grüne Anleihen bezeichnete Giegold als "glaubwürdige Alternative zu den oft laxen privaten Standards".

Die Entscheidung zu weiteren Nachhaltigkeitskriterien soll aber erst im Jahresverlauf fallen. Giegold sagte, angesichts des ungelösten Endlagerproblems bei der Atomkraft dürfe diese nicht als nachhaltig eingestuft werden. In der Frage ist die EU gespalten. Einige sind dagegen, weil sie es nicht für glaubwürdig halten, andere sehen darin einen Weg, unabhängiger von der klimaschädlichen Kohle zu werden.

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