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Andrea Enria mahnt Banken zur Vorsorge gegen Kreditausfälle

Der Bankenaufseher der EZB bemängelt, dass einige Institute beim Umgang mit den Folgen der Pandemie immer noch zu nachlässig sind. Wann er mit dem Höhepunkt bei notleidenden Krediten rechnet, ließ er in einem Interview aber offen.

Andrea Enria | Foto: picture alliance / Wolfgang Minich

Der Chef der EZB-Bankenaufsicht Andrea Enria beklagt, dass einige Häuser beim Thema möglicher Kreditausfälle immer noch zu nachlässig sind. Enria äußerte sich in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters, das auf der Webseite der Bankenaufsicht der EZB veröffentlicht wurde.

Die Mehrheit der Banken kommt nun weitgehend unseren Empfehlungen nach. Aber etwa zwei von fünf Banken, das sind 40 Prozent, weisen erhebliche Lücken auf bei dem, was wir erwarten.

Andrea Enria, Chef der EZB-Bankenaufsicht

"Die Mehrheit der Banken kommt nun weitgehend unseren Empfehlungen nach. Aber etwa zwei von fünf Banken, das sind 40 Prozent, weisen erhebliche Lücken auf bei dem, was wir erwarten", sagte Enria in dem Interview.

"Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es eine Tendenz zum Abwarten gibt. Die Banken sagen, sie haben nicht genug Informationen, also warten wir einen Monat, dann beginnt vielleicht die Erholung. Aber es könnte auch Banken geben, die wirklich versuchen, Probleme unter den Teppich zu kehren", so Enria im Interview mit der Nachrichtenagentur weiter.

Darin bemängelte er auch, dass einige Institute nicht einkalkulierten, dass staatliche Unterstützungsmaßnahmen für von der Corona-Pandemie besonders betroffenen Wirtschaftsbereiche irgendwann auslaufen könnten.

Für mich ist der wichtigste Punkt, die Banken zur frühzeitigen Erkennung von Problemen, zur frühzeitigen Auseinandersetzung mit den Kunden und zur frühzeitigen Restrukturierung zu drängen.

Andrea Enria, Chef der EZB-Bankenaufsicht

Vage blieb Enria bei der Frage, wann er den Höhepunkt bei notleidenden Krediten erwarte: "Ich habe einfach keine Zahl. Für mich ist der wichtigste Punkt, die Banken zur frühzeitigen Erkennung von Problemen, zur frühzeitigen Auseinandersetzung mit den Kunden und zur frühzeitigen Restrukturierung zu drängen. Wenn wir uns früh bewegen, haben wir die Werkzeuge, um mit dem Problem umzugehen."

Größere Auswirkungen aus den Pleiten der Greensill-Bank und des US-Hedgefonds Archegos erwartet Enria hingegen nicht: "Es gibt eine kleine indirekte Auswirkung, weil Greensill das Einlagensicherungssystem beeinträchtigt hat, so dass indirekt die anderen Banken dazu beitragen."

Rückkehr zu Dividendenzahlung

Hoffnung macht der EZB-Chef den Instituten aber bei der Rückkehr zur gewohnten Ausschüttungspolitik: "Wenn es also keine wirklichen Anzeichen dafür gibt, dass sich die Situation vor September wesentlich verschlechtert, würden wir die Empfehlung im September aufheben und die Banken zur alten Normalität zurückkehren lassen, in der sie ihre Pläne für Dividendenausschüttungen und Rückkäufe haben, und wir überprüfen diese Pläne anhand ihrer Kapitalentwicklung und der von uns auferlegten Anforderungen. Die Idee ist, im September zu diesem Stadium zurückzukehren", sagte der Chef der EZB-Bankenaufsicht im Reuters-Interview.

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