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Andreas Schmitz könnte die nächste Hauptversammlung der Commerzbank leiten

Das gesundheitsbedingte Ausscheiden von Hans-Jörg Vetter lässt das Institut viele Optionen durchspielen.

Andreas Schmitz | Foto: picture alliance / dpa | Jonas Güttler

Der plötzliche Rücktritt des Commerzbank-Aufsichtsratschefs Hans-Jörg Vetter hat eine fieberhafte Suche nach einem Nachfolger ausgelöst.

Der 68-jährige Vetter hatte sein erst im August vergangenen Jahres angetretenes Amt am Dienstag aus gesundheitlichen Gründen mit sofortiger Wirkung niedergelegt.

Hans-Jörg Vetter legt Aufsichtsratsvorsitz bei der Commerzbank nieder 

Der Aufsichtsrat, der zur Stunde zu einer regulären Sitzung zusammen gekommen ist, wird interimistisch vom stellvertretenden Leiter des Gremiums, dem Arbeitnehmervertreter Uwe Tschäge geleitet.

Es gilt aber als ausgeschlossen, dass das Gremium bereits auf seiner heutigen Sitzung einen Nachfolger für Vetter präsentiert, erfuhr FinanzBusiness aus Finanzkreisen. Das sei frühestens auf der nächsten Sitzung, die Anfang April stattfindet, denkbar.

Suche nicht nur im eigenen Haus

Die Finanzkreise bestätigten, dass sowohl externe als auch interne Kandidaten in Erwägung gezogen werden. Intern würde sich Andreas Schmitz anbieten, hieß es. Der ehemalige Vorstandssprecher bei HSBC Trinkaus & Burkhardt zog erst zu Jahresbeginn in den Aufsichtsrat der Commerzbank ein.

Sollte der 61-jährige gebürtige Düsseldorfer Vetter folgen, müsste allerdings ein weiterer Kapitalvertreter nachrücken. In der Vergangenheit hatte Großaktionär Cerberus wiederholt Anspruch auf einen Vertreter im Kontrollgremium erhoben.

Der US-Fonds war es auch, der mit seiner Kritik an der Strategie im vergangenen Jahr letztlich Commerzbank-CEO Martin Zielke und Aufsichtsratschef Stefan Wittmann zu Fall brachten. Ihnen folgte Vetter im Kontrolgremium und Manfred Knof als CEO.

Hauptversammlung am 5. Mai

Die Zeit drängt, denn am 5. Mai will die Commerzbank ihre Hauptversammlung abhalten. Eine offizielle Einladung wird in der kommenden Wochen erwartet.

Fest steht bereits, dass es Tschäge versagt bleiben wird, die Hauptversammlung zu leiten. Dies obliegt einem Vetreter der Kapitalseite. Daher sei es durchaus eine Option, dass Schmitz die Hauptversammlung leiten wird, erfuhr FinanzBusiness aus den Finanzkreisen.

Schmitz verfüge über "fundierte Kenntnisse in der Aufsichtsratsarbeit und Corporate Governance sowie umfangreiche Erfahrungen im regulatorischen Umfeld und den Interdependenzen zwischen Wirtschaft und Politik", heißt es in seiner Vita auf der Commerzbank-Webseite.

Restrukturierung beginnt

Wer auch immer Vetter nachfolgt, den erwartet ein hartes Stück Arbeit. Mit einer tiefgreifenden Restrukturierung will Knof Deutschlands zweitgrößte Geschäftsbank bis 2024 wieder auf den Pfad der Profitabilität zurückführen und eine Eigenkapitalrendite von knapp sieben Prozent erwirtschaften.

Konsequenz der geplanten Halbierung des inländischen Filialnetzes und der Straffung der Auslandsaktivitäten ist der Abbau von rund 10.000 Vollzeitstellen. In Deutschland soll jede dritte Stelle gestrichen werden. Zuletzt beschäftigte das Institut noch knapp 48.000 Mitarbeiter, davon rund 33.700 in Deutschland.

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