FinanzBusiness

Erträge steigern, Kosten senken, Filialen schließen - das Konzept von Peter Schulte

Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Mitten im Sauerland erläutert FinanzBusiness die neue Struktur des Instituts und was sie für Kunden und Mitarbeiter bedeutet.

Peter Schulte, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Mitten im Sauerland. | Foto: Sparkasse Mitten im Sauerland

Die Sparkasse Mitten im Sauerland dünnt ihr Filialnetz drastisch aus. In den betroffenen Gemeinden kommt das nicht gut an. Für den Vorstandsvorsitzenden Peter Schulte ist dies aber der einzige Weg, um die Zukunftsfähigkeit des Instituts zu sichern. Im Gespräch mit FinanzBusiness macht er die Rechnung auf.

Auf der Kostenseite wird durch die Neustrukturierung eine Reduzierung um rund 3,2 Mio. Euro angestrebt.

Peter Schulte, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Mitten im Sauerland

"Durch die Neustrukturierung sollen in den kommenden fünf Jahren die Erträge im Kundengeschäft um rund 4,4 Mio. Euro gesteigert werden. Auf der Kostenseite wird durch die Neustrukturierung eine Reduzierung um rund 3,2 Mio. Euro angestrebt", sagt Schulte FinanzBusiness.

Wie andere Banken auch, belastet die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) das öffentlich-rechtliche Institut im Sauerland.

Um die Ziele zu erreichen, wird das Institut zehn Filialen in seinem Geschäftsgebiet aufgeben, konkret in Wennemen, Meschede-Gartenstadt, Meschede-Nord, Eversberg, Remblinghausen, Wenholthausen, Bödefeld, Gleidorf, Fleckenberg und Oberkirchen. Zum 31. August sollen die Filialen geschlossen werden.

Es werden ausschließlich kleine Geschäftsstellen im ländlich strukturierten Raum mit ein oder maximal zwei Mitarbeiter:innen zu größeren Einheiten, den Beratungscentern, zusammengeschlossen. Wir haben die Kundenströme analysiert.

Peter Schulte, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Mitten im Sauerland

Dass die Sparkasse durch diesen Schritt die Nähe zum Kunden verlieren könnte, fürchtet Schulte nicht. "Es werden ausschließlich kleine Geschäftsstellen im ländlich strukturierten Raum mit ein oder maximal zwei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu größeren Einheiten, den Beratungscentern, zusammengeschlossen. Wir haben die Kundenströme analysiert", sagt er FinanzBusiness.

Von der Bündelung der Beratungsaktivitäten an künftig sechs Standorten - Freienohl, Meschede, Eslohe, Bad Fredeburg, Schmallenberg und Finnentrop - verspricht Schulte sich eine Stärkung der Kompetenz. Zudem will er in "modernste Technik" investieren. So sollen auch die Erträge gesteigert werden.

Telefonat statt Gang zur Filiale

Gerade ältere Kunden in den kleineren Orten werden sich aber umgewöhnen müssen. Statt wie gewohnt in die nächste für sie erreichbare Filiale zu gehen, sollen sie künftig zum Telefonhörer greifen.

"Durch den weiteren Ausbau des Kundenservicecenters können unsere Kunden, insbesondere auch die älteren Menschen, viele Geldgeschäfte bequem von zu Hause aus telefonisch erledigen", sagte Schulte.

Derweil soll die Bargeldversorgung künftig über 15 weitere Standorte gesichert sein, in denen Geldautomaten stehen, aber keine Mitarbeiter mehr beschäftigt sind.

Keine betriebsbedingten Kündigungen

Das Konzept werde keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Beschäftigungssicherheit der derzeit noch 248 Mitarbeiter haben, versichert Schulte im Gespräch mit FinanzBusiness. "Entlassungen wird es nicht geben. Betriebsbedingte Kündigungen schließt der Vorstand aus."

Der Sparkassen-Chef macht aber auch keinen Hehl daraus, dass die Zusammenführung der Beratung an künftig sechs Standorten die Mitarbeiterzahl langfristig sinken soll. Etwa, indem Positionen von Mitarbeitern, die in den Ruhestand gehen, nicht mehr nachbesetzt werden.

Die Sparkasse Mitten im Sauerland entstand im August 2019 durch die Fusion der Sparkassen Meschede, Schmallenberg und Finnentrop. Vor knapp einem Jahr wurden auch die technischen Systeme der drei Institute zusammengelegt. Im Ranking der 379 deutschen Sparkassen (Stand Ende 2019) belegt die Sparkasse Mitten im Sauerland Platz 264.

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