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Immer mehr Kreditinstitute verlangen Negativzinsen

Negative Zinsen zu nehmen, scheint mittlerweile eine übliche Praxis zu sein, schreibt die Bundesbank in ihrem jüngsten Monatsbericht.

Blick auf die Nordseite der Zentrale der Deutschen Bundesbank | Foto: Deutsche Bundesbank

Eine wachsende Zahl von Kreditinstituten gibt die Strafzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) an ihre Kunden weiter. "Der Anteil der Banken in Deutschland, die ihre Kundeneinlagen im Durchschnitt negativ verzinsen, nahm 2020 weiter zu", heißt es im am Montag veröffentlichten Monatsbericht der Deutschen Bundesbank.

Unternehmen sind seit geraumer Zeit von Minuszinsen auf Sichteinlagen wie Giro- und Tagesgeldkonten und auf Termineinlagen wie Festgeld betroffen. Auch bei Sichteinlagen von Privatkunden sei "ein bisher ungebrochener Aufwärtstrend erkennbar", schreibt die Bundesbank. Die Lagebeschreibung der Notenbank deckt sich mit der Einschätzung von Marktteilnehmern.

Vor rund zwei Wochen etwa hatte Nick Jue, CEO der ING Deutschland gesagt, er gehe davon aus, dass die Tage des kostenlosen Girokontos auf dem deutschen Markt für Privatkunden gezählt seien.

Das Ende des kostenlosen Girokontos ist nahe, sagt Nick Jue

Negativzinsen auf Termineinlagen sind hierzulande aber bislang die Ausnahme, heißt es bei der Bundesbank weiter. Nur rund ein Prozent der Institute aus einer Stichprobe von 212 Geldhäusern meldeten im Dezember 2020 demnach im Schnitt negative Zinsen auf Termineinlagen von Privatkunden.

Festgeld bleibt positiv verzinst

Festgeld und Co. seien im Durchschnitt weiterhin positiv verzinst. Im Dezember 2020 meldeten 64 % der meldepflichtigen Institute einen negativen volumengewichteten Durchschnittszinssatz auf Sichteinlagen von Unternehmen.

Negative Zinsen gegenüber Unternehmen beschränken sich dabei nicht mehr auf bestimmte Bankengruppen, sondern scheinen mittlerweile eine übliche Praxis zu sein.

Bundesbank, Monatsbericht Februar

"Negative Zinsen gegenüber Unternehmen beschränken sich dabei nicht mehr auf bestimmte Bankengruppen, sondern scheinen mittlerweile eine übliche Praxis zu sein."

Bei Sichteinlagen privater Haushalte lag der Anteil der Finanzhäuser, die im Schnitt negative Zinsen erheben, Ende vergangenen Jahres bei 42 Prozent. Wie viele Banken in Deutschland negative Einlagenzinsen eingeführt haben, geht aus der Stichprobe nicht hervor.

Vor allem Sparkassen und Genossen verlangen Negativzinsen von Privatkunden

Von Privatkunden erheben demnach vor allem Sparkassen und Genossenschaftsbanken Minuszinsen und weniger Großbanken und Regionalbanken. Kontoführungsgebühren, die zusätzlich oder stattdessen verlangt werden, sind nicht in der Statistik enthalten.

Geschäftsbanken müssen aktuell 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der EZB parken. Auch wenn es inzwischen Freibeträge für bestimmte Summen gibt, bleibt dies für die Branche eine Milliardenbelastung. Die Kosten geben immer mehr Geldhäuser ganz oder teilweise weiter und berechnen Kunden Negativzinsen, vor allem bei größeren Summen.

Die Entwicklung dürfte auch zum Jahreauftakt 2021 Bestand haben: Laut einer Auswertung des Vergleichsportals Verivox 24 haben zum Jahresanfang 20 weitere Institute Strafzinsen eingeführt.

Fast 200 Kreditinstitute geben Negativzinsen an Sparer weiter

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