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BaFin-Sonderprüfung offenbart Mängel in Compliance und Interner Revision beim Grenke-Konzern

Kritikpunkte betreffen unter anderem prozessuale Schwächen bei der Dokumentation von "Related Parties" und fragwürdige Bewertung der Compliance-Risiken. Das geht aus einem Brief hervor, mit dem sich Aufsichtsratsvorsitzender Ernst-Moritz Lipp an die Aktionäre des Konzerns wendet.

Grenke-Schriftzug | Foto: Grenke AG

Die laufende Sonderprüfung des Grenke-Konzerns durch die Prüfungsgesellschaft Mazars und die BaFin hat wesentliche Kritikpunkte und Mängel in Compliance und Interner Revision des Grenke-Konzerns offenbart. Dies geht aus einem offenen Brief des Aufsichtsratsvorsitzenden Ernst-Moritz Lipp an die Aktionäre des Konzerns hervor, in dem er sich zu den Gründen für den Rücktritt von Vorstand Mark Kindermann äußert.

"Wir haben Ihren Ruf nach mehr Transparenz hinsichtlich der Amtsniederlegung unseres Vorstandsmitglieds Mark Kindermann laut und deutlich vernommen und möchten dem hiermit umfassend nachkommen", schreibt Lipp.

Wir haben Ihren Ruf nach mehr Transparenz hinsichtlich der Amtsniederlegung unseres Vorstandsmitglieds Mark Kindermann laut und deutlich vernommen und möchten dem hiermit umfassend nachkommen

Ernst-Moritz Lipp, Aufsichtsratsvorsitzender bei Grenke

Mazars war von der BaFin aufgrund der Anschuldigungen gegen den Baden-Badener Finanzierungsdienstleister im September 2020 mit einer Sonderprüfung beauftragt worden.

Mangelhafte Aufklärungsarbeit

Im Bereich der Internen Revision betraf die Kritik der BaFin die Qualität von Arbeitspapieren, die Möglichkeit des Vorstandes, festgestellte Mängel verwerfen zu können, die Tatsache, dass die Innenrevision keine eigene Untersuchung der Viceroy-Vorwürfe initiierte, die quantitative personelle Ausstattung der Internen Revision und den bis Anfang des vergangenen Jahres (2020) eingeschränkten Zugang der Internen Revision zu bestimmten Firmengeheimnissen.

Fragwürdige Bewertung von Compliance-Risiken

Die Kritikpunkte im Bereich Compliance bezogen sich auf prozessuale Schwächen bei der Dokumentation von "Related Parties", mangelnde Nachvollziehbarkeit von Aktualisierungen des Compliance-Handbuchs, Infragestellung der Messgrößen für die Bewertung der Compliance-Risiken, unzureichende Dokumentation sowie der schriftlichen Jahresberichte der Compliance-Funktion. Auch hier sei eine "nicht angemessene personelle Ausstattung" der Compliance-Funktion vorhanden gewesen.

Auf Basis der genannten Punkte hatte die BaFin dem Konzern ein Anhörungsschreiben zugestellt und angekündigt, nach Ablauf einer Frist zur Stellungnahme über eine Abberufung von Kindermann als Vorstand zu entscheiden.

Dies sei unmittelbarer Anlass für den Rücktritt von Kindermann "mit sofortiger Wirkung" gewesen, die der Konzern am Montag mitgeteilt hatte - der Konzern ist der BaFin somit zuvorgekommen.

Grenke-Vorstand Mark Kindermann legt mit sofortiger Wirkung seine Ämter nieder

"Keiner dieser Kritikpunkte der BaFin lässt allerdings auf unmittelbare Auswirkungen auf die Bilanz oder die Gewinn- und Verlustrechnung des Unternehmens schließen", betont Lipp.

Keiner dieser Kritikpunkte der BaFin lässt allerdings auf unmittelbare Auswirkungen auf die Bilanz oder die Gewinn- und Verlustrechnung des Unternehmens schließen.

Ernst-Moritz Lipp, Aufsichtsratsvorsitzender bei Grenke

Auch stellten die Aussagen der BaFin "in keinem Punkt die am 16. Dezember 2020 veröffentlichten Informationen über die gutachtliche Stellungnahme" durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften WKGT und die gesonderte Prüfung durch KPMG in Frage.

Veröffentlichung der Abschlussberichte weiterhin offen

Wann die Abschlussberichte der Sonderprüfungen vorliegen werden, ließ Lipp weiter offen: "Die Prüfungen erfordern erhebliche Management- und Personalkapazitäten vom Unternehmen. Für die Gesellschaft hat es höchste Priorität, dass wir die laufenden Prüfungen zügig fortsetzen und abschließen. Selbstverständlich greifen wir die Ergebnisse aus diesen Prüfungen konsequent auf und entwickeln die Prozesse weiter", versichert er und verweist auf bereits erfolgte Änderungen im Grenke-Management.

Termin zur Veröffentlichung der Sonderprüfungen von Grenke ist weiter offen

So wurde Sebastian Hirsch vergangenen Herbst zum "CFO" ernannt, obgleich er bereits zuvor als "Finanzvorstand" agierte, wie der Grenke-Konzern FinanzBusiness auf Nachfrage erläutert hatte. Zudem schuf der Konzern das Ressort des Risikovorstands neu und verpflichtete dafür Isabel Rösler ab dem 1. Januar dieses Jahres. Sie werde künftig den Bereich Compliance und Marktfolge vom ausgeschiedenen Kindermann übernehmen, schreibt Lipp.

Isabel Rösler wird neue Risikovorständin von Grenke

Die bisherigen Aufgaben Kindermanns würden auf die übrigen Vorstandsmitglieder verteilt. Hirsch verantworte künftig die Konzernsrechnungslegung, Vorstandsvorsitzende Antje Leminsky den Personalbereich.

FinanzBusiness hatte zuvor berichtet, dass der Firmengründer und ehemalige CEO Wolfgang Grenke bereits im Jahr 2000 eine "Related party"-Transaktion getätigt hatte, ohne diese als solche anzuzeigen. Auch für die Jahre als Vorstandsmitglied bis zu seinem Ausscheiden 2018 wird ihm vom Shortseller Fraser Perring vorgeworfen, "Related Party"-Transaktionen verschleiert zu haben.

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