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Die Investmentbanker fahren 2020 das Geld für die Deutsche Bank ein

Alle anderen Sparten der größten Geschäftsbank Deutschlands verzeichneten leicht rückläufige Erträge. Christian Sewings Restrukturierungskurs schlägt trotzdem an. Das Kostenziel hat das Institut erreicht.

Deutsche-Bank-CEO Christian Sewing. | Foto: Deutsche Bank

Nach fünf Verlustjahren ist die Deutsche Bank zurück in der Gewinnzone. Vor Steuern summierte sich der Gewinn auf rund 1 Mrd. Euro, 3,66 Mrd. Euro mehr als noch im Jahr 2019, in dem Vorstandsvorsitzender Christian Sewing Deutschlands größtem Institut eine Rosskur verordnete. Das alles schaffte die Deutsche Bank trotz der Corona-Pandemie.

Wir haben diese doppelte Herausforderung bewältigt – dank unserer neuen Aufstellung und vor allem dank Ihres großartigen Einsatzes für unsere Bank. Wir liegen mit unserem Umbau mehr als im Plan. Wir haben im vergangenen Jahr alle unsere strategischen Ziele erreicht.

Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank in einem Brief an die Mitarbeiter

"Wir haben diese doppelte Herausforderung bewältigt – dank unserer neuen Aufstellung und vor allem dank Ihres großartigen Einsatzes für unsere Bank. Wir liegen mit unserem Umbau mehr als im Plan. Wir haben im vergangenen Jahr alle unsere strategischen Ziele erreicht", sagte Sewing in einem Brief an die Mitarbeiter.

Die Zahlen zeichnen indes ein deutliches Bild. Geld verdiente die Deutsche Bank im Investmentbanking. Sewing zählt in dem Mitarbeiterbrief selbst die Gründe auf: Viele Unternehmen und Staaten hatten infolge der Corona-Pandemie einen hohen Finanzierungsbedarf.

So hat die Deutsche Bank 2020 Anleihen im Rekordvolumen von 1,7 Billionen Euro platziert, 43 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch im Beratungs- und Emissionsgeschäft sei das Institut in allen vier Quartalen schneller gewachsen als der Markt insgesamt.

Marktanteile gewonnen

Und im Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren und Währungen sind Sewing zufolge die Erträge in allen Quartalen des Jahres mit zweistelligen Raten gestiegen - im Gesamtjahr betrug das Ertragswachstum 28 Prozent. Sewing betont, dass sein Haus auch in diesem Bereich im zweiten Halbjahr Marktanteile gegenüber den amerikanischen Wettbewerbern gewonnen hat.

Die Stärke der Investmentbank ist für Sewing Segen und Fluch zugleich. Segen, weil sie die Deutsche Bank in allen relevanten Kennzahlen wieder schwarze Zahlen schreibt. Auch beim viel beachteten Konzerngewinn, der den Aktionären zusteht, von dem also Zinszahlungen für die Inhaber von Nachranganleihen bereits abgezogen sind. Im Gesamtjahr betrug die Kennziffer 113 Mio. Euro, ein Jahr zuvor stand hier noch ein satter Verlust von 5,72 Mrd. Euro.

Segen und Fluch zugleich

Die Stärke der Investmentbank ist aber auch Fluch für den Deutsche-Bank-Chef. Denn Sewing hatte sich bei seinem Antritt vorgenommen, die Bank breiter aufzustellen, unabhängiger von der Sparte Investmentbank zu machen.

Das war im Corona-Jahr 2020, in dem das Institut zudem die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle um 148 Prozent auf 1,79 Mrd. Euro erhöhen musste aber alles andere als einfach. Der Bank gelang es aber, die Risikovorsorge mit 41 Basispunkten des durchschnittlichen Kreditvolumens im Rahmen der zuvor gegebenen Prognose von 35 bis 45 Basispunkten des durchschnittlichen Kreditvolumens zu halten.

Immerhin: Grobe Einbrüche bei den Erträgen mussten auch die übrigen Geschäftsfelder der Bank nicht verzeichnen. In der Unternehmensbank sanken sie im Gesamtjahr um zwei Prozent auf 5,15 Mrd. Euro, in der Unternehmensbank um ein Prozent auf 8,13 Mrd. Euro und im Asset Management um vier Prozent auf 2,23 Mrd. Euro.

Stärken in allen Geschäftsbereichen

Sewing verbucht das als Erfolg: "Besonders freut mich, dass wir diese Stärken in allen Geschäftsbereichen ausspielen. Im Moment wird zwar viel über die Erfolge und das Wachstum unserer Investmentbank gesprochen. Aber das verkennt, was unsere Privatkundenbank und unsere Unternehmensbank geleistet haben. In einem schwierigen Umfeld mit historisch niedrigen Zinsen haben es unsere Teams in beiden Bereichen geschafft, die Erträge stabil zu halten und ihre internen Ziele zu erreichen. Das ist stark", schreibt er den 84.659 Mitarbeitern des mit einer Bilanzsumme von 1,33 Mrd. Euro mit Abstand größten Deutschen Bank.

Um unser Ziel für 2022 zu erreichen, müssen wir nun weitere 2,8 Mrd. Euro an bereinigten Kosten abbauen. Natürlich ist das ein weiterer Kraftakt für uns alle.

Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank in einem Brief an die Mitarbeiter

Sewing wird alle Mitarbeiter brauchen, um den Restrukturierungskurs weiter zu verfolgen. "Um unser Ziel für 2022 zu erreichen, müssen wir nun weitere 2,8 Mrd. Euro an bereinigten Kosten abbauen. Natürlich ist das ein weiterer Kraftakt für uns alle. Doch angesichts unserer Bilanz beim Kostenabbau sind wir sehr zuversichtlich, dass wir auch in den kommenden Jahren unsere Kostenziele erreichen werden."

Stellenabbau allein wird es nicht richten, so findet der Deutsche-Bank-Chef neben Worten des Danks an die Belegschaft auch mahnende: "Besonders wichtig ist dabei, dass wir auch die Art, wie wir arbeiten, grundsätzlich verändern. Unsere Ergebnisse wären so nicht möglich gewesen, wenn wir nicht unsere Kunden stärker in den Mittelpunkt unserer Strategie und unseres Handelns gestellt hätten. Da ist noch viel zu tun, aber wir sind auch schon einen guten Schritt vorangekommen."

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