FinanzBusiness

Wirtschaftsweise Grimm hält Lockerung der Insolvenzpflicht für riskant

Überschuldete Firmen, die Coronahilfen beantragt haben, befreit die Bundesregierung bis Ende April von der Insolvenzpflicht. Selbst ihre Berater warnen jetzt vor den Folgen.

Wirtschaftsweise Veronika Grimm | Foto: Sachverständigenrat

Für Banken könnte die Aussetzung der Insolvenzpflicht noch zum Problem werden, sie raten deshalb schon länger davon ab. Nun erhält der Bund auch Gegenwind aus den eigenen Reihen.

Chefvolkswirte und Bankenverband kritisieren Moratoriumsverlängerung 

"Eine riskante Gratwanderung"

Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm sieht die Pläne der Bundesregierung kritisch, die Insolvenzmeldepflichten für coronageplagte Betriebe noch länger auszusetzen.

Ein Unternehmen erkenne derzeit nicht, ob es tatsächlich mit einem zahlungsfähigen Betrieb Verträge eingehe, sagte die Ökonomin der Universität Erlangen-Nürnberg in einem Interview der "Zeit Online". Das berge die Gefahr von Insolvenzen mit Dominoeffekten. Grimme, die als Wirtschaftsweise selbst die Bundesregierung berät, sprach von einer "riskanten Gratwanderung".

Bund setzt Insolvenzpflicht bis Ende April aus

Zuvor hatte die Bundesregierung verkündet, dass überschuldete Unternehmen bis Ende April keine Insolvenz anmelden müssen, wenn sie noch auf beantragte Corona-Staatshilfen warten. Die Bundesregierung wolle Firmen helfen, die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie abzufedern und Arbeitsplätze zu erhalten, begründete Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) den Vorstoß.

Eigentlich müssen Betriebe binnen drei Wochen Insolvenz anmelden, wenn sie zahlungsunfähig oder überschuldet sind. Aufgrund der nicht absehbaren Folgen für die Wirtschaft setzte der Bund diese Antragspflicht zu Beginn der Corona-Pandemie komplett aus, seit Oktober müssen zahlungsunfähige Unternehmen wieder Insolvenzanträge stellen.

Mittelfristig werden aber dennoch nicht alle Unternehmen die Krise überstehen.

Veronika Grimm, Wirtschaftsweise

Für Betriebe, die wegen der Corona-Krise überschuldet sind, wurde die Lockerung bis nunmehr Ende April verlängert. Da die Antragspflicht nicht mehr generell ausgesetzt sei, sondern nur für überschuldete Firmen, sei die Verlängerung derzeit verkraftbar, sagte die Volkswirtin Grimm weiter. "Mittelfristig werden aber dennoch nicht alle Unternehmen die Krise überstehen." Die 49-Jährige berät die Bundesregierung als Wirtschaftssweise seit April 2020.

Mehr von FinanzBusiness

Das dicke Ende kommt erst noch

Der personelle Aderlass für die Londoner Finanzbrache ist durch den Brexit größer als gedacht. Profiteur der Umsiedelungen in der Bankenwelt ist vor allem Dublin. Doch auch Frankfurt zählt zu den Gewinnern.

Lesen Sie auch

Mehr dazu

Neueste Nachrichten

Weitere Stellenanzeigen zeigen