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Check24 stellt zertifizierten Girokontenvergleich ein

Das Projekt, das europäische Vorgaben umsetzen sollte, stand unter Beschuss der Verbraucherschützer. Das Unternehmen selbst hat nach Kritik und Klagen nun die Nase voll.

Christoph Röttele, CEO und Geschäftsführer von Check 24. | Foto: picture alliance / dpa | Matthias Balk

Check24 hat seinen zertifizierten Girokontenvergleich am Montagvormittag vom Netz genommen. Damit reagierte das Vergleichsportal aus München auf entstandene Rechtsunsicherheit. Gegen das Portal hatte die Verbraucherzentrale geklagt.

Check24 zeigt sich über Verbraucherschutz-Klage "in höchstem Maße" irritiert 

Das Portal, das vom TÜV Saarland zertifizierte Vergleichsportal, sollte eigentlich einer Forderung der Europäischen Union (EU) nachkommen, dem Verbraucher einen besseren Überblick über die Konto-Kosten bei Banken und Sparkassen zu vermitteln.

Über 600 Geldinstitute wurden in dem Vergleichsportal zuletzt gelistet.

Dagmar Ginzel, Sprecherin von Check 24

"Über 600 Geldinstitute wurden in dem Vergleichsportal zuletzt gelistet", sagte Check24-Sprecherin Dagmar Ginzel FinanzBusiness auf Nachfrage. Der Verbraucherzentrale war das zu wenig.

"Es kann weder im Sinne des deutschen noch des europäischen Gesetzgebers sein, dass zum Zeitpunkt der Klageerhebung in dem Kontenvergleich weniger als ein Drittel der in Deutschland existierenden Kreditinstitute vertreten war und in mehr als 90 Prozent der Fälle nur ein einziges Kontomodell einer Bank genannt wurde", entgegnete David Bode, Referent bei der Verbraucherzentrale Bundesverband, bereits in der vergangenen Woche auf Nachfrage von FinanzBusiness.

Es kann weder im Sinne des deutschen noch des europäischen Gesetzgebers sein, dass zum Zeitpunkt der Klageerhebung in dem Kontenvergleich weniger als ein Drittel der in Deutschland existierenden Kreditinstitute vertreten war und in mehr als 90 Prozent der Fälle nur ein einziges Kontomodell einer Bank genannt wurde.

David Bode, Referent bei der Verbraucherzentrale Bundesverband

Check24 steht der aktuellen Situation " fassungslos gegenüber", heißt es in einer Mitteilung des Vergleichsportals. "Unser Ziel war es, den Gesetzgeber dabei zu unterstützen Verbraucher*innen zu stärken. Dazu haben wir einen siebenstelligen Betrag in einen Vergleich investiert, mit dem wir kein Geld verdienen. Wir haben in gemeinsamen Gesprächen mit Politik und Verbraucherschutz die Weiterentwicklung des Vergleichs für Verbraucher*innen diskutiert. Jetzt dafür verklagt zu werden, dass wir gesetzliche Kriterien umsetzen, ist unfassbar", zitiert die Mitteilung Christoph Röttele, CEO und Geschäftsführer von Check24.

Daten wurden manuell eingepflegt

Trotz PSD2-Schnittstelle war die Pflege des zertifizierten Girokontenvergleichs eigenen Aussage zufolge mühsame und personalintensive Handarbeit. Die Kontomodelle mussten manuell eingepflegt werden und zudem wöchentlich auf ihre Aktualität überprüft werden, erläutert Ginzel. "Bei einer letzten Prüfung im November kam es zu keiner Beanstandung", heißt es in der Mitteilung des ehemaligen Start-ups.

Dabei argumentiert Check24, dass deutsche Verbraucher einen deutlich besseren Überblick über die Kosten von Girokonten haben als in anderen europäischen Ländern, wo den Verbrauchern lediglich "Excel-Dokumente zur Verfügung gestellt werden".

"Erhebliche Unzulänglichkeiten"

Die Verbraucherzentrale will dies nicht gelten lassen: "Wir haben die Website der Check24 Vergleichsportal Karten & Konten GmbH unter die Lupe genommen und aus unserer Sicht erhebliche Unzulänglichkeiten festgestellt, die nach unserer Auffassung weder im Interesse der Verbraucher liegen können noch dem Sinn und Zweck einer zertifizierten Vergleichswebsite entsprechen", so Bode zu FinanzBusiness.

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