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EZB-Chefökonom warnt vor starkem Wechselkurs

Erstmals seit langem äußert sich EZB-Chefökonom Philip Lane zum Euro-Wechselkurs. Er warnt vor den Folgen eines starken Euro für Wachstum und Inflation.

Foto: picture alliance / empics

Der Eurokurs ist am Freitag etwas gestiegen und hat weiter über der Marke von 1,18 US-Dollar notiert. Am Vormittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,1846 Dollar und damit etwas mehr als im frühen Handel. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstagnachmittag auf 1,1849 Dollar festgelegt.

Am Donnerstag hatte der Euro zeitweise kräftig zugelegt und war kurzzeitig über 1,19 Dollar gestiegen. Die Gewinne wurden aber nicht gehalten. Auslöser der Bewegung war die Debatte, ob der zuletzt stärkere Euro der wirtschaftlichen Erholung von der Corona-Krise schade. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte das Thema nach der Zinssitzung der Notenbank zwar angesprochen, auf eine starke verbale Intervention jedoch verzichtet.

Lane warnt vor starkem Euro

Am Freitag warnte allerdings der Chefökonom der EZB vor den Folgen eines starken Euro für Wachstum und Inflation. Die wirtschaftliche Erholung und die Preisentwicklung seien durch den zuletzt aufwertenden Euro "deutlich gedämpft" worden, schrieb der Ire Philip Lane in einem Beitrag auf der Internetseite der EZB. "Es sollte klar sein, dass es keinen Grund für Selbstzufriedenheit gibt." Die EZB stehe bereit, all ihre Instrumente falls nötig einzusetzen. Der Euro wurde durch die Aussagen aber nicht nachhaltig belastet.

"Immerhin fand der Wechselkurs erstmals seit 2018 wieder Erwähnung im Eingangsstatement der EZB.

You-Na Park-Heger, Analystin der Commerzbank

Ein Freifahrtschein für weitere ausgeprägte Euro-Stärke sei aber auch die gestrige Sitzung nicht gewesen, heißt es in einem Kommentar der Commerzbank. Analystin You-Na Park-Heger schreibt: "Immerhin fand der Wechselkurs erstmals seit 2018 wieder Erwähnung im Eingangsstatement der EZB."

Ökonomen blicken nach EZB-Entscheidung auf Euro-Dollar-Wechselkurs 

Am Nachmittag stehen Inflationszahlen aus den USA im Mittelpunkt. Die US-Notenbank Fed hatte unlängst ihr Inflationsziel geändert. Sie strebt jetzt nicht mehr ein Punktziel, sondern eine durchschnittliche Teuerung über einen längeren Zeitraum an. Im Ergebnis könnte dies zu einer noch lockereren Geldpolitik führen.

Fed-Chef Powell überrascht Märkte mit neuer geldpolitischer Strategie

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