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Beim Börsengang von JDE Peet's sind keine deutschen Banken dabei

Der Kaffee-Konzern aus der Holding der Milliardärsfamilie Reimann wurde von drei Investmentbanken an die Börse gebracht, darunter war kein deutsches Haus.

Der Börsengang von JDE Peet's am 29. Mai in Amsterdam. | Foto: picture alliance / ANP

JDE Peet's hat bei seinem Börsengang am Freitag in Amsterdam rund 2,3 Mrd. Euro eingesammelt. Es war das bisher größte IPO in diesem Jahr.

Der Ausgabepreis lag bei 31,50 Euro pro Aktie und kletterte zu Handelsbeginn direkt um 14 Prozent auf 35,99 Euro. Der Kaffee-Gigant aus der Holding JAB der deutschen Milliardärsfamilie Reimann wird damit insgesamt mit 15,6 Mrd. Euro bewertet.

Der Konzern verwies auf eine "starke Nachfrage" von institutionellen Investoren weltweit. Das Angebot sei mehrfach überzeichnet gewesen, hieß es.

Investmentbanken-Trio begleitet Emission

Betreut wurde der Börsengang von BNP Paribas, Goldman Sachs International and J.P. Morgan Securities plc. Auf eine Nachfrage zur Auswahl dieser Investmentbanken und warum kein deutsches Geldhaus ausgewählt wurde, sagte eine Sprecherin, dazu dürfe man vor Dienstag keine Angaben machen.

Schon beim Börsengang des US-Kosmetikherstellers Coty 2013 in New York war keine deutsche Bank dabei, er war von der Bank of America, J.P. Morgan und Morgan Stanley begleitet worden. Coty gehört ebenfalls mehrheitlich zur Reimann-Holding JAB mit Sitz in Luxemburg.

Kaffee als corona-sicheres Geschäft

Mit der Erstnotiz (IPO) ist ein Unternehmen an die Börse gekommen, das im vergangenen Jahr einen Umsatz von 6,9 Mrd. Euro erzielt hat und zu dem bekannte Marken wie Douwe Egberts, Jacobs, Senseo, Tassimo und Kenco gehören.

Mit dem Geld aus dem Börsengang will der Nestlé-Rivale den Angaben zufolge unter anderem seine Schulden reduzieren und somit die Bilanz stärken.

Das Investoren-Interesse an JDE Peet's bestärkt uns im Glauben an unsere Strategie.

Casey Keller, Chief Executive Officer JDE Peet’s

Laut dem Konzern ist die Nachfrage nach Kaffee trotz der Coronavirus-Pandemie zuletzt stabil geblieben. Der Konsum habe sich dabei von Büros und Cafes in die Häuser und Wohnungen der Menschen verlagert. Der CEO von JDE Peet's, Casey Keller, sagte laut einer Mitteilung: "Das Investoren-Interesse an JDE Peet's bestärkt uns im Glauben an unsere Strategie und festigt unsere Rolle als Weltmarktführer bei Kaffee und Tea."

Alteigentümer machen Kasse, Soros greift zu

Zusätzlich zur Ausgabe neuer Aktien im Umfang von 700 Mio. Euro verkauften Alteigentümer Anteile im Wert von 1,55 Mrd. Euro. Auch der Schokoladen- und Snackkonzern Mondelez (Milka, Toblerone, Oreo, Tuc) gab Anteile ab.

Zu den neuen Investoren zählen unter anderem Fonds von Investorenlegende George Soros. JAB hatte zur Vorbereitung auf den Börsengang den weltweit zweitgrößten Kaffeeröster Jacobs Douwe Egberts (JDE) mit der US-Kaffeekette Peet's zusammengelegt.

Neuer Schwung für Börsengänge?

Der Börsengang des Unternehmens hat Hoffnungen geweckt, dass der europäische IPO-Markt sich trotz der Corona-Krise wieder früher öffnen könnte als zunächst angenommen. Bislang war die Zahl der Börsengänge in Anbetracht der hohen Unsicherheiten sehr überschaubar.

Lediglich einige wenige Unternehmen, die die Krisenfolgen kaum gespürt haben, wagten den Sprung aufs Parkett. Darunter in Deutschland das Softwareunternehmen Exasol, das seit der Erstnotiz rund 36 Prozent zugelegt hat. Auch der Arzneimittelhersteller PharmaSGP plant seinen Börsengang in Frankfurt in diesem Jahr.

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