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Frankfurter Sparkasse bereitet sich auf Antragsansturm vor

Gewerbe- und Firmenkunden hoffen auf Tilgungsaussetzungen, erkundigen sich nach den Förderprogrammen der KfW und des Landes Hessen. Gut 1.000 Anträge sind bereits eingegangen 

Sparkassen-Filiale an der Konstablerwache in Frankfurt | Foto: Frankfurter Sparkasse

Robert Restani, Noch-Vorstand der Frankfurter Sparkasse, wollte eigentlich Bilanz ziehen, zeigen, wie gut das Kreditinstitut trotz Konjunktureintrübung und Nullzinsphase dasteht, bevor er im dritten Quartal von Bord geht. Hauptthema bei der Bilanzpressekonferenz der viertgrößten deutschen Sparkasse war am vergangenen Freitag (27. März 2020) jedoch ein anderes: die Corona-Krise. Eine Prognose zum laufenden Jahr wollte Restani angesichts der aktuellen Lage nicht abgeben. 

15.000 Gespräche, erste Leistungen bereits ausgezahlt

„In den letzten Wochen haben wir rund 15.000 Gespräche geführt“, erklärte Restani. „Viele Fragen kamen von gewerblichen Kunden, Freiberuflern und Vermietern, aber auch von betroffenen Arbeitnehmern und Mietern.“ Die Bank prüfe nun, wie sie individuell unterstützen könne – durch vorübergehende Tilgungsaussetzungen und im Rahmen der Förderprogramme der Bundesregierung und des Landes Hessen. Erste Leistungen seien bereits ausbezahlt worden. Ab nächste Woche werde es dann richtig losgehen, so Restani.

Vorstände der Frankfurter Sparkasse: Robert Restani (links) und Arne Weick | Foto: Frankfurter Sparkasse
Vorstände der Frankfurter Sparkasse: Robert Restani (links) und Arne Weick | Foto: Frankfurter Sparkasse
Arne Weick, im Vorstand für das Risikomanagement zuständig, bezifferte auf Rückfrage die Zahl der Förderanträge von Gewerbe- und Firmenkunden auf insgesamt rund 1.100, der Großteil davon, rund 800, entfällt ihm zufolge auf Gewerbetreibende – und da vor allem auf Anträge zur Aussetzung von Tilgungsgebühren.

Dass alle Kredite, die über die Förderprogramme laufen, nahtlos zurückgezahlt werden, damit rechnet Weick nicht. „Kreditausfälle werden kommen“, sagte er, ohne dabei unruhig zu werden. 2019 habe man das Eigenkapital der Bank signifikant gestärkt, „das können wir schultern.“ (Details zur Bilanz finden Sie am Ende der Meldung.)

Interne Ressourcen werden umgeschichtet, Filialen geschlossen

Um die Vielzahl der neuen Anträge bewältigen zu können, hat der Vorstand der Frankfurter Sparkasse nach Aussage von Restani bereits vor Wochen damit begonnen, die internen Ressourcen umzuschichten. Sukzessive seien 26 der insgesamt 73 Filialen geschlossen und  Beschäftigte aus den Filialen zum Teil temporär ins KundenServiceCenter nach Offenbach versetzt worden. „Unser Ziel ist es, den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten – dies geht nur durch den Schutz unserer Beschäftigten“, betonte er. Pläne für weitere Schließungen gebe es nicht, auch wolle man nicht nach dem Vorbild der Taunus Sparkasse dazu übergehen, Filialen mit der Frankfurter Volksbank zusammenzulegen.

Dispo-Zinen für Privatkunden sinken, Verbraucherdarlehen werden gestundet

Für alle Privatkunden mit einem Dispositionskredit berechnet die Frankfurter Sparkasse vorübergehend einen niedrigeren Sollzinssatz – vom 1. April bis zum 30. Juni 2020 sinkt er von aktuell 10,49 Prozent (pro Jahr) auf nominal 4,99 Prozent (pro Jahr). Hinzu kommt eine Entlastung bei Verbraucherdarlehen: Dass es möglich wird, die Verträge drei Monate zu stunden, sei bereits gesetztlich geregelt – die Sparkasse wollen nun die Möglichkeit prüfen, Stundungen bis zu zwölf Monaten bei der Tilgung zu gewähren.

Voraussetzung für all diese Maßnahmen, sowohl für die im privaten als auch für jene im gewerblichen Bereich, ist: Die Betroffenen müssen ihren Verpflichtungen aus Zins und Tilgung bislang nachgekommen sein und – mit Blick auf gewerbliche Kunden – über ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell verfügen.

Der Rückblick auf das vergangene Geschäftsjahr: zufriedenstellend

Im vergangenen Jahr ist das operative Ergebnis der Frankfurter Sparkasse nach eigener Aussage weitgehend stabil geblieben – Restani selbst sprach von einem zufriedenstellenden Ergebnis. „Erfreulich sind die weiterhin positiven Impulse aus unserem originären Kundengeschäft.“ Vor allem im Kreditgeschäft habe die Bank auf breiter Basis zulegen können, habe gut ein Drittel höher gelegen als im Jahr zuvor und trage mittlerweile über 50 Prozent zum Zinsergebnis des Vertriebs bei.

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