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Deutsche Bank und Allianz steigen bei Fintech Auto1 FT aus

Stattdessen geht der Fahrzeugfinanzierer eine Partnerschaft mit der Solarisbank ein. FinanzBusiness hat nachgefragt, was es mit dem Wechsel auf sich hat.

Auto 1-App auf dem Smartphone | Foto: picture alliance/ZUMA Press

Zwischen dem Mutterunternehmen Auto1 und dem Fintech Auto 1 FT tobt seit einigen Monaten ein Streit zwischen den Gesellschaftern.

Nun wurde bekannt, dass sich die Finanziers der ersten Stunde aus dem Fintech zurück ziehen: Die Deutsche Bank bestätigt auf Nachfrage von FinanzBusiness, dass sie sich aus Auto 1 FT zurückzieht.

Die Entscheidung, sich bei Auto1 FT zurückziehen, hat keinen Einfluss auf die Geschäftsbeziehung der Deutschen Bank mit der AUTO1 Group GmbH, die selbst Gesellschafter der Auto1 FT GmbH ist", stellt die Deutsche Bank auf Nachfrage von FinanzBusiness klar.

"Wir schätzen die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der AUTO1 Group weiterhin sehr. Die Vorwürfe, die in den Medien gegen AUTO1 Group GmbH kolportiert werden, können wir nicht nachvollziehen", so ein Sprecher der Deutschen Bank.

Zoff beim Gebrauchtwagen-Fintech Auto1 und seiner Beteiligung Auto1 FT

Neustart mit der Solarisbank

Auch die Allianz zieht sich aus dem Investment zurück. Damit verbleibt von den ursprünglich drei Joint Venture-Partnern noch der Tech-Investor Softbank aus Japan.

Das Fronting-Produkt ist neu im Portfolio der Solarisbank, und wir planen diesen Bereich weiter auszubauen.

Nicolas Knecht, Managing Director Lending Solarisbank

Auto1 FT versucht nun aber einen Neustart - mit der Solarisbank. "In der Partnerschaft sind wir die Fronting-Bank und ermöglichen Auto1 ihren Autohändlern, Finanzdienstleistungen (Kredite) anzubieten. Das Fronting-Produkt ist neu im Portfolio der Solarisbank, und wir planen diesen Bereich weiter auszubauen", so Nicolas Knecht, Managing Director Lending auf Nachfrage von FinanzBusiness.

Auto-Fintech mit Startschwierigkeiten

Gegründet wurde die Auto1 FT im Sommer 2018, um die Fahrzeugankauf von Autohändlern zu finanzieren. Dass bei der Fintech-Tochter von Auto1 aber nicht alles rund lief, wurde spätestens Anfang des Jahres klar, als sich die beiden Geschäftsführer Fedor Artiles und Finanzchef Axel Buhr sang und klanglos verabschiedeten.

Zumindest Buhrs Abgang soll nach Recherchen von FinanceFWD nicht freiwillig gewesen sein. Er soll im November 2019 als Geschäftsführer abberufen und gleichzeitig mit sofortiger Wirkung unwiderruflich von der Arbeit freigestellt worden sein.

Neuer Geschäftsführer ist seitdem Taimur Andre Rashid, der zuvor unter anderem für die Crowdinvestingplattform Kapilendo arbeitete.

Rashid hat keine leichte Aufgabe geerbt. Denn durch die Corona-Krise brach die Nachfrage auf dem Gebrauchtwagenmarkt vor allem im ersten Halbjahr deutlich ein. Daten des Kraftfahrtbundesamts von Oktober belegen auf Jahressicht bis Oktober ein Minus von 3,5 Prozent. Zudem tat man sich wohl schwer, einen Banken-Partner zu finden. Für den Part war ursprünglich die mittlerweile insolvente Gesellschaft Wirecard vorgesehen gewesen.

Ein Gesellschafterstreit tobt

Zudem schwellt ein recht öffentlich ausgetragener Streit zwischen Finanzinvetsor Bensen Safa, der mittlerweile Haupteigentümer des Fintech ist und Auto1-Chef Hakan Koç.

Letztere hält das Geschäftsmodell der Auto1 FT angeblich für gescheitert und wollte sich schließlich komplett aus der Finanztochter zurückziehen. Safa sagt Koç wiederum nach, er sei kein Finanz-Mann und wolle Auto1 FT dafür missbrauchen, den Umsatz von Auto1 um jeden Preis zu steigern.

Zwischen beiden Seiten tobt mittlerweile ein Streit mit Klagedrohungen und Fehlverhaltensvorwürfe gegen Koç. Der wiederum bezeichnet die Vorwürfe als komplett haltlos.

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