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Hamburg Commercial Bank hält sich zum Halbjahr in der Gewinnzone

Auch im Gesamtjahr will das Institut vor Steuern schwarze Zahlen schreiben, wenn die Pandemie keinen Strich durch die Rechnung macht. Die Restrukturierung ist zur Halbzeit auf Kurs. Der CFO geht, der Vorstand wird verkleinert.

Ist überzeugt, dass auch eine deutsche Bank Geld verdienen kann: Stefan Ermisch, Chef der Hamburg Commercial Bank. | Foto: picture alliance/dpa

Die mitten in einer tiefgreifenden Restrukturierung befindliche Hamburg Commercial Bank AG hat zum Halbjahr schwarze Zahlen geschrieben und will das auch im Gesamtjahr tun. Das kündigte Vorstandsvorsitzender Stefan Ermisch am Donnerstag (27. August) bei der Vorlage des Zwischenberichts an.

Unterm Strich bleibt der privatisierten ehemaligen HSH Nordbank AG ein Gewinn von 4 Mio. Euro, vor Steuern sind es 71 Mio. Euro. Das macht sich im Branchenvergleich eher bescheiden aus. Ermisch aber verkündet die Zahl in einer Telefonpressekonferenz mit hörbarem Stolz.

Schon im Herbst 2019 auf Abschwung eingestellt

Seinem Ziel, zu beweisen, dass "eine Bank in Deutschland auch Geld verdienen kann", ist er wieder ein Stück näher gekommen. Der seit 2012 für die Hamburger Bank tätige Manager betont, dass das privatisierte Institut bereits im vergangenen Herbst begonnen habe, sich auf einen konjunkturellen Abschwung einzustellen.

In der Konsequenz wurden Risikopositionen abgebaut, die Bilanzsumme verringert. "Der Ansatz, dass die Wichtigkeit einer Bank an der Höhe der Bilanzsumme bemessen wird, ist aus unserer Sicht grober Unfug", sagte Ermisch in der Telefonkonferenz.

Der Ansatz, dass die Wichtigkeit einer Bank an der Höhe der Bilanzsumme bemessen wird, ist aus unserer Sicht grober Unfug.

Stefan Ermisch, Vorstandsvorsitzender der Hamburg Commercial Bank

Mit der Aussage: "Wir verfügen über eine extrem starke Kapitalposition", unterstrich der Vorstandsvorsitzende des Instituts stattdessen, worauf es ihm ankommt.

Da hat die Hamburg Commercial Bank in den sechs Monaten bis Juni durchaus Fortschritte gemacht. Die harte Kernkapitalquote verbesserte sich sich um 3,2 Punkte auf jetzt 21,7 Prozent. Die Cost-Income-Ratio verbesserte sich von 69,3 Prozent auf im Branchenvergleich starke 47,6 Prozent. Zum Abschluss der geplanten Restrukturierung - 2022- sollen es rund 40 Prozent sein.

"Es gehört schlicht zu Wahrheit dazu, dass der deutsche Bankenmarkt, so auch wir, überbesetzt war", sagte Ermisch. So reduzierte sich die Zahl der Vollzeitstellen zwischen Januar und Juni von 1482 auf 1215. In der Folge sank der Personalaufwand um 17 Prozent auf 87 Mio. Euro.

Es gehört schlicht zu Wahrheit dazu, dass der deutsche Bankenmarkt, so auch wir, überbesetzt war.

Stefan Ermisch, Vorstandsvorsitzender der Hamburg Commercial Bank

Auch Finanzvorstand Oliver Gatzke möchte seinen Beitrag leisten und legt sein Amt zum Monatsende nieder. "Das Verhältnis Vorstände und Mitarbeiter ist zu hoch. Die Bank ist perspektivisch mit einem kleineren Vorstand zu führen. Dazu möchte ich meinen persönlichen Beitrag leisten", sagte Gatzke in der Telefonkonferenz auf Nachfrage von FinanzBusiness.

Finanzvorstand Oliver Gatzke | Foto: Hamburg Commercial Bank
Finanzvorstand Oliver Gatzke | Foto: Hamburg Commercial Bank

Ermisch wollte sich in der Telefonkonferenz noch nicht über die exakte Aufgabenverteilung unter den verbleibenden fünf Vorstandsmitgliedern äußern. Er dankte Gatzke für seine geleistete Arbeit.

Operativ unterstrich Ermisch das "erstklassige Kreditportfolio" des Instituts. Gleichwohl erhöhte die Hamburg Commercial Bank noch einmal die Risikovorsorge deutlich. Nicht ohne zu betonen, dass dies auf Basis von Modellrechnungen erfolge und nicht wegen Kreditereignissen geschehe.

"Wir ziehen uns sehr warm an"

"Wir ziehen uns sehr warm an. Wir können es uns aber auch leisten, so viel Risikovorsorge zu betreiben", sagte Ermisch. Doch es bleibt dabei: Beim Neugeschäft will das Institut auch in der zweiten Jahreshälfte sehr selektiv sein.

So ist Ermisch guter Dinge, dass beim Vorsteuerergebnis auch im Gesamtjahr schwarze Zahlen geschrieben können und ein Ergebnis "leicht" über den 77 Mio. Euro des Vorjahres erreicht werden kann. Sollte Corona nicht doch noch einen Strich durch die Rechnung machen.

Die ehemalige Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein war nach der Finanzkrise mit Milliardenhilfen vom Staat gerettet und dann auf Drängen der Europäischen Kommission hin 2018 privatisiert worden. Seitdem ist ein Konsortium um Cerberus Capital Management LP und J.C. Flowers & Co LLC Haupteigner der Bank.

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